Home World EUROPE Weshalb Amateurgoalie Marcel Joliat auf Maradona traf

Weshalb Amateurgoalie Marcel Joliat auf Maradona traf


BLICK-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz (53) exklusiv über Maradona: Ich habe Diego Maradona in meiner Karriere immer wieder gekreuzt. Ich habe auch in Zeiten seiner grössten Blüte einen einsamen und traurigen Menschen hinter der Glitzer- und Glamour-Fassade des Fussball-Superstars entdeckt. Aber vor allem: Einen Zauberer. Einen Ballartisten, der nicht von dieser Welt war.

Klar: Einer wie Maradona entzückt schon im Fernsehen. Doch um wirklich zu erleben, was solch ein Genie von allen anderen abhebt, muss man im Stadion sein. Oder noch besser: Mit ihm auf demselben Rasen. Ich habe dieses Feeling nur bei zwei Menschen gehabt, dass sie mit Bällen umgehen können wie sonst niemand. Roger Federer. Und eben: Diego.

Ein Beispiel: Als ich ihn das letzte Mal traf, das war 2017, anlässlich eines Galaspiels der Fifa in Zürich, da sagte er mir: Komm, mach mir das mal nach. Beweglich war er natürlich längst nicht mehr. Und übergewichtig. Und doch: Wie er diesen Ball ins Tor streichelte – unfassbar! Ich versuchte es ihm nachzutun. Keine Chance…

Speziell war auch das erste Mal, als ich im Januar 1991 auf mein Jugendidol traf. Er im Napoli-Dress, ich in jenem von Bologna. Als der Schiri das Spiel anpfiff, merkte ich: Ich kann mich gar nicht auf den Match konzentrieren. Immer wieder schaute ich mich um, wo denn nun Maradona sei. Der Kopf war anderswo. Und wenn ich da mich selbst gewesen wäre, hätte ich festgestellt, wie er läuft und mit seinem tiefen Schwerpunkt nicht zu Boden zu bringen ist, wie er den Ball streichelt, wie ich seinen Atem spüre – und einen Sekundenbruchteil später ist er weg.

Und dann kommt er nach dem Spiel noch zu mir und sagt: «Du bist ein guter Fussballer, der eine schöne Karriere machen kann. Dazu musst du dich allerdings vor zwei Menschengattungen in Acht nehmen: Schiedsrichter und Journalisten…»

Obwohl er alle Mannschaften zum Siegen brachte, in denen er spielte. Obwohl er glücklich war auf dem Platz, weil er das Spiel und das Spielgerät bedingungslos liebte. Irgendwann ist nach dem Spiel. Und da habe ich ihn immer als traurigen Menschen erlebt. Ich hatte immer das Gefühl, als litte er sich durchs Leben. Aber es half ihm niemand ernsthaft. Die Schulterklopfer sowieso nicht. Doch auch die Menschen, die ihm nahestanden, nicht. Ich denke, niemand fragte ihn ernsthaft, wie es ihm gehe. Wirklich gehe. Denn dann hätte man das gespürt, diese Einsamkeit. Diese Zerrissenheit auch, denn Diego war ja ein Nonkomformist, ein Rebell, der sich dem System widersetzte. Ein einsamer Rebell.

Ich vermisse mein Idol.



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